Die Bedeutung von Bronzestatuen in der Antike
Denkmäler aus Bronze sind auch in heutigen Städten kein völlig ungewohnter Anblick. In Göttingen kennt jeder das „Gänseliesel“. Aber wie viele öffentlich aufgestellte Bronzestatuen gibt es sonst in den Straßen und auf den Plätzen der Stadt? Sind es mehr als ein Dutzend? Schwerlich kann man behaupten, dass das Stadtbild Göttingens oder anderer heutiger Städte von Bronzestatuen geprägt sei. Ganz anders in der Antike: Vor allem auf den Marktplätzen und in den heiligen Bezirken rund um die Tempel sammelten sich im Laufe der Zeit ungeheure Mengen von Bronzestatuen an – sowohl private Weihungen als auch Ehrendenkmäler, die auf öffentlichen Beschluss errichtet wurden.
Die Zahl der Statuen, die römische Feldherren bei der Eroberung Griechenlands von dort abtransportieren ließen, ging in die Tausende. Allein aus der nicht sehr bedeutenden westgriechischen Stadt Ambrakia soll 189 v. Chr. eine Beute von 785 Bronzestatuen nach Rom entführt worden sein. Dort war das Forum Romanum schon im Jahre 158 v. Chr. so überfüllt mit Statuen, dass der Senat alle diejenigen, die nicht offiziell genehmigt waren, abräumen ließ. Von dem berühmten Erzgießer Lysipp, dem Lieblingsbildhauer Alexanders des Großen, erzählte eine antike Anekdote, er habe 1500 Bronzestatuen geschaffen. Auch wenn manche dieser Zahlen übertrieben sein mögen, so zeigen sie doch unmissverständlich: Die Aufstellung von Bronzestatuen im öffentlichen Raum spielte in der Antike, insbesondere bei den Griechen, seit etwa 500 v. Chr. eine viel zentralere Rolle als in allen späteren Epochen.